Wildunfall & Kaskoversicherung - Warum zahlt der Versicherer nicht?

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Transkript anzeigen

00:00:00: Du fĂ€hrst nachts durch den Wald und plötzlich springt ein Reh auf die Straße.

00:00:03: Und du kannst nicht mehr ausweichen!

00:00:05: Der Schaden ĂŒber zehntausend Euro, aber kein Problem – du hast ja eine Kasko-Versicherung oder so.

00:00:10: doch ein Problem.

00:00:11: Was passiert wenn deine Versicherung sagt «Wir glauben dir nicht»?

00:00:14: Und was passiert, wenn ein SachverstÀndiger dein Schadensbild unter die Lupe nimmt und das Ergebnis sogar nicht zu deiner Geschichte

00:00:20: passt?!

00:00:20: Das ist kein Einzelfall.

00:00:22: Das kann sogar jeden treffen... ...und genau das hat das Landgericht Hagen in einem Urteil im MĂ€rz twenty-fĂŒnfundzwanzig entschieden mit Konsequenzen Die weit ĂŒber diesen Fall hinausgehen.

00:00:31: Bleibt dran, nach dem Intro wird spannend!

00:00:47: Danke Michael, super Intro gefÀllt mir sehr gut.

00:00:49: Ich freue mich dass wir hier eine spannende Folge haben und ich sage jetzt eine Sache schon mal vorweg das heutige Urteil ist ein echtes Lehrbeispiel sowohl dafĂŒr wie in Bildunfall nachzuweisen ist als auch dafĂŒr wie man es falsch machen kann da unsere folge zu dem thema reifen platzer auf der Autobahn sehr gut sozusagen angekommen ist.

00:01:07: bei unserer Zuhörerschaft ist das sozusagen die logische Weiterentwicklung dieses themas.

00:01:11: deswegen das wird fĂŒr alle spannend die die folge auch interessant fanden.

00:01:14: Naja, das klingt ja vielversprechend.

00:01:15: Wir sprechen heute ĂŒber den Nachweis eines Wildschadens in der Kasko-Versicherung ein Thema, dass wirklich jeden Autofahrer in Deutschland betreffen kann!

00:01:21: Wir haben ein konkretes Urteil des Landenkriegs Hagen aus dem Jahr twentyfĂŒnfundzwanzig Fonds, das wir euch heute auseinander nehmen werden.

00:01:27: Also Igor starten wir mit den Basics.

00:01:29: Wenn ich mit dem Auto einen Reh erwische Wer zahlt das eigentlich?

00:01:33: Das kommt auf seine Versicherungen an.

00:01:35: In der Teilkasko Versicherung ist jetzt Zusammenstoß.

00:01:39: Jetzt kommen die verschiedenen Begriffe Rotwild, Haarwild oder Dammwild wie man es auch immer nennen mag.

00:01:44: Klassisch versichert also Reh Wildschwein Hirsch Salopp gesagt fast alles auf vier Beinen was durch den Wald lÀuft und von einigen Gewicht ist.

00:01:51: ja so schwere Tiere grĂ¶ĂŸere Tiere.

00:01:54: Die Vollkastbeversicherung hingegen das ist jetzt die Kurve zu unserer vorherigen Folge mit dem reifen Platzer.

00:01:59: die deckt in vielen FĂ€llen den Rest ab und dort gilt sogar Alles fĂŒr Tiere, also auch aus dem Bereich Kleintiere, Haustierevögel.

00:02:08: solche Geschichten.

00:02:09: Da haben wir ja gelernt wenn eine physikalische Einwirkung von außen auf das Fahrzeug ausgeĂŒbt wird und es dadurch zum Unfall kommt dann greift normalerweise die Vollkaskoversicherung

00:02:19: Ja und wenn ich nur ein Haftpflicht habe gehe ich leer aus.

00:02:23: Ganz genau, da schaust du in die Röhre.

00:02:24: Also die Haftlicht deckt nur SchĂ€den wie du anderen hinzufĂŒgst Deinen eigenen Schaden am Auto den trĂ€gst du dann selbst.

00:02:30: Deshalb ist die Teilkasko fĂŒr viele Autofahrer gerade die auf dem Land leben sehr sinnvoll.

00:02:34: Okay Stell dir vor es ist Nacht Du fĂ€hrst auf einer Landstraße ein Reh kommt von rechts Du bremst Aber du kannst nicht mehr ausweichen Das Auto ist beschĂ€digt.

00:02:42: Was machst du als Allererstes?

00:02:43: Ok das möchte ich jetzt wirklich ganz klar betonen.

00:02:45: Als allererstes immer die Polizei rufen Immer.

00:02:48: Das ist der wichtigste Schritt ĂŒberhaupt.

00:02:50: Die Polizei kommt dann, dokumentiert den Unfallort, kontaktiert gegebenenfalls JagdpÀchter, notiert in der Unfallmitteilung ob Wild beteiligt war oder ob Spuren zu sehen sind von Wild an dem Fahrzeug.

00:03:01: Diese Verkehrsunfallmetteilung ist spĂ€ter ein sehr wichtiges Beweismittel gegenĂŒber der Versicherung.

00:03:06: Und wenn das Redar tot liegt, ist doch noch besser fĂŒr den Beweis?

00:03:10: Ja natĂŒrlich!

00:03:11: FĂŒr das Reh ist es natĂŒrlich nicht so gut, aber fĂŒr den Nachweis ist ein toter Hirsch am Straßenrand sehr hilfreich.

00:03:18: Das Problem ist viele Tiere rennen nach der Kollision noch weg und verenden irgendwo im GebĂŒsch oder im Wald und werden nie gefunden.

00:03:25: Das ist die klassische Beweissnot des Versicherungsnehmers.

00:03:27: Solche FÀlle hatten wir tatsÀchlich auch schon.

00:03:29: Ich habe sogar noch nie einen Fall hier gehabt, bei dem das Rehe wiedergefunden wurde auf der Straße lag weil diese FĂ€lle normalerweise reguliert werden von den Versichern.

00:03:37: Das ĂŒberrascht mich jetzt, weil ich gedacht hĂ€tte dass in der Regel Danach checkt, ob irgendwo ein verĂ€ndertes Tier liegt.

00:03:44: Genau aber in den FÀllen die wir bearbeiten normalerweise werden sie einfach nicht gefunden und da fÀngt dann schon die Problematik an.

00:03:49: bei den Versicherungen allerdings kann der Versicherer nicht einfach sagen naja kein totes Reh oder kein totem Wildschwein heißt fĂŒr uns keinen Wildunfall.

00:03:56: ja das wÀre zu einfach.

00:03:57: Die Rechtsprechung ist da schon differenzierter Aber grundsÀtzlich gilt Der Versicherungsnehmer muss beweisen dass der wildunfall stattgefunden hat.

00:04:04: Beweiserleichterungen, wie man sie zum Beispiel beim Diebstahl kennt gibt es beim Wildunfall tatsÀchlich nicht.

00:04:09: Das Fahrzeug ist ja noch da und kann die Spuren begutachten lassen

00:04:13: usw.,

00:04:13: aber die Spulenlage am Fahrzeug können auch ausreichen.

00:04:18: Wer allein im Auto war, keine Zeugen hat und das Tier leider verschwunden ist, der kann also trotzdem Erfolg haben wenn das Schadensbild zum Wildunfalls passt.

00:04:26: Okay dann erzÀhl uns mal den Sachfall.

00:04:28: zu dem introirventen Fall was ist da passiert?

00:04:32: Also ein Autofahrer aus dem Raum Hagen hat einen Vollkaskurvertrag fĂŒr seinen Audi A-FĂŒnf.

00:04:37: Am siebten Juli, zwanzig, zwannzwanzig kurz vor Mitternacht.

00:04:40: in der Akte steht um genau dreinundzwanzigervierzig soll er auf einer Straße mit etwa sechzig bis siebzig Stundenkilometern gefahren sein.

00:04:47: Plötzlich soll ein Reh von rechts nach links ĂŒber die Straße gelaufen sein.

00:04:51: Er habe noch gebremst eine Kollision aber einfach nicht mehr vermeiden können.

00:04:54: Ja

00:04:54: okay klassische Wildunfallgeschichte sehe ich an

00:04:56: Auf den ersten Blick schon.

00:04:57: Die Polizei kam dann natĂŒrlich auch, da hat er schon mal den ersten Fehler vermieden.

00:05:01: die Polizei gerufen, hat dann die Unfallmitteilung aufgenommen und dort steht in der Unfallmitteilung tatsÀchlich unter Wild das Wort Reh.

00:05:08: Soweit alles noch im grĂŒnen Bereich.

00:05:10: Der Kleger lÀsst einen Kostenvorenschlag erstellen.

00:05:13: Da kommt natĂŒrlich der erste Schock ja grob zehn tausend fĂŒnfhundert Euro netto fĂŒr die Reparatur.

00:05:18: Und der Versicherer sagt, Moment mal.

00:05:20: Bevor wir das alles hier glauben, beauftragen wir erst einmal unseren eigenen SachverstÀndigen und er schaut sich da mal das Fahrzeug genauer an.

00:05:27: Der SachverstÀndige schaut sich das Fahrtzeug zunÀchst an und sagt es gibt Bereiche am Fahrzeug die tatsÀchlich von einem Rehaufprall stammen könnten.

00:05:35: Konkret eine Verformung der Motorhaube links und einen Riss am Lufteinlassgitter links.

00:05:40: Das passt aber dann gibt es SchÀden die technisch schlicht nicht von einem REH stammen können.

00:05:44: Was fĂŒr SchĂ€de denn?

00:05:46: Jetzt wird es ein ganz bisschen technisch.

00:05:48: Zum einen feine horizontale Kratzer am Scheinwerfer links und das Muster setzt sich noch bei dem Seitenbereich des Fahrzeugs fort, der SachverstĂ€ndige hatte zu Vergleichszwecken einen dokumentierten Datensatz des Instituts fĂŒr Wildunfallanalyse herangezogen also sozusagen die Bibliothek echter Wildunfallsbilder.

00:06:04: Und beim echten Rehaufprall sehen die SchĂ€den ganz anders aus viel konzentrierter im Anstoßbereich viel intensiver nicht feiner horizontal ĂŒber die ganze Front verteilt.

00:06:14: Kannst du dir vielleicht vorstellen, was der Versicherer da behauptet hat?

00:06:17: Na klar.

00:06:17: Das krieg ich mir erst mal merkwĂŒrdig.

00:06:18: Der Versicher hat sicherlich behaupten, dass da jemand nachgeholfen hat.

00:06:22: Ja exakt!

00:06:23: Wobei das kein Überraschend dĂŒrfte, dass sich der Versicherung dann natĂŒrlich versucht zur Wehr zu setzen.

00:06:27: Die Versicherern behaupteten ja in der Regel im Rahmen ihrer Regulierungsabwehr es wurde nachgehÀufen.

00:06:32: auf irgendeine Art und Weise.

00:06:33: In diesem Fall soll der Versichungsnehmer mit Schleifpapier das Schadensbild ergÀnzt haben.

00:06:39: Der SachverstĂ€ndigen hat das aber ausdrĂŒcklich so nicht bestĂ€tigt.

00:06:41: Er sagt nur in seinem Bericht, die SchÀden passen nicht zu einem Rehunfall.

00:06:45: Was sie verursacht hat lÀsst sich nichts sagen und legt da aber ein Augenmerk auf den tatsÀchlich Radarsensor im

00:06:51: Fahrzeug.".

00:06:51: Okay, das mit dem Schleifpapier finde ich schon mal ganz kreativ.

00:06:54: Aber dass es mit dem Thema Radarsensor klingt jetzt auch mal spannend?

00:06:57: Also erzÀhl mal weiter!

00:06:58: Ja okay... Das mit dem Radarsenser habe ich jetzt auch extra offen gelassen und so formuliert, dass du nicht schon weißt worum's gehen kann.

00:07:04: Also, das ist eigentlich ein sehr spannendes Detail in diesem Fall.

00:07:08: Der Kleger behauptet der ACC Radar-Sensor und das ist der Abstandsdistanz-Sensor fĂŒr Tempomaten.

00:07:14: Der war vor dem Unfall noch dran und funktionsfÀhig.

00:07:18: Durch die Kollision mit dem Reh sei er aber herausgerissen worden danach nicht mehr aufhindbar gewesen also irgendwie verloren gegangen oder weggeflogen was auch immer.

00:07:25: Und das glaubt das Gericht nicht?

00:07:27: Ja, das glauben sogar die Physik nicht.

00:07:29: um es jetzt ganz salopp zu sagen Jetzt wird es gleich technisch, also bitte genau hinhören.

00:07:33: Der SachverstĂ€ndige erklĂ€rt sehr genau dieser Sensor ist ĂŒber einen Stecker mit einem Kabel verbunden.

00:07:39: Dieser Stecker hat oben und unten so kleine Plastiknasen die den Sensor sich erhalten damit er nicht rausfÀllt Ohne eine BeschÀdigung des Kabels Die aber nicht festgestellt wurde hier.

00:07:49: Es ist technisch einfach unmöglich dass der Sensor beim Aufprall einfach verloren geht.

00:07:54: Er wĂŒrde vielleicht vom Halter fallen Aber am Kabel wahrscheinlich hĂ€ngen bleiben.

00:07:58: Okay Also wenn ich das richtig verstehe Das Kabel war heil Der Stecker war heil, aber der Sensor war weg.

00:08:04: Und der KlÀger sagt das Re hat ihn mitgenommen.

00:08:07: Im Grunde ja!

00:08:08: Das klingt jetzt wirklich merkwĂŒrdig und das macht natĂŒrlich keinen Sinn.

00:08:12: So als Re hat bestimmt kein Sensor mitgenommen hinzukommt noch ein weiteres technisches Detail dass es eigentlich auf die Spitze treibt.

00:08:18: Im Fehlerspeicher des Fahrzugs wurde auch noch mal nachgeschaut und dort war ein Fehlereintrag zu diesem Abstands-Sensor gespeichert, aber mit dem Umgebungsdaten Motodrehzahl, fĂŒnfundundsechsohnneunzigumdrehungen und Fahrzeuggeschwindigkeit null kmh.

00:08:31: Also ĂŒbersetzt heißt es das Fahrzeug stand still als der Sensor als fehlend erkannt wurde.

00:08:36: Okay, dann das verstehe ich wenn aus meiner Sicht heißt das der Senser war schon weg bevor der Unfall passiert ist.

00:08:42: Genau, darauf deuten die Daten hin.

00:08:43: NatĂŒrlich kann ein Fehlerspeicher nach einem Unfall auch mal komische Werte zeigen.

00:08:47: das rÀumt der SachverstÀndige sogar selbst ein aber als Indiz dass der Sensor bereits vor dem Unfall manuell demontiert wurde ist er schon sehr ungewöhnlich besonders wenn man den Behauptungen des Versicherungsnehmers glauben soll.

00:08:59: Okay dann erzÀhlen wir uns mal was zur rechtlichen Einordnung.

00:09:02: Ja, das Gericht hat das eigentlich sehr sauber in zwei Teile aufgebaut.

00:09:05: Erster Teil der Kleger also wir reden hier von dem Versicherungsnehmer hat zu beweisen dass ĂŒberhaupt ein Zusammenstoß mit dem Reh stattgefunden hat.

00:09:12: Das soll ich ja am Anfang schon erklÀren.

00:09:14: Okay reichende die Haare nicht?

00:09:15: Der Kleger hatte auch Fudos eingereicht auf den Haaren zu sehen waren.

00:09:18: Die Rehehaare aussehen wenn ich das so richtig...

00:09:20: Genau, das ist auch der Kern des Urteils und deshalb auch so wichtig.

00:09:24: Das Gericht sagt ja die Haare auf dem Foto Àhneln tatsÀchlich Haaren aus einem Fell eines Rees aber sie reichen nicht mehr aus.

00:09:31: wenn ein SachverstÀndiger Gleichzeich erklÀrt dass andere SchÀden technisch nicht von einem Reh stammen können.

00:09:36: Die Haare allein kippen die Gesamtbewertung nicht mehr so richtig zugunsten des KlÀgers.

00:09:41: Okay, habe ich das richtig verstanden?

00:09:43: Ein Foto mit Haaren.

00:09:44: Das hĂ€tte frĂŒher möglicherweise ausgereicht, reicht jetzt aber nicht mehr aus weil der Rest des Schadenbildes nicht mehr passt

00:09:53: Exakt.

00:09:53: Das klingt jetzt erst mal ein bisschen komisch, macht aber gleich mehr Sinn bei der weiteren ErlÀuterung.

00:09:58: Es ist eine sogenannte Gesamtschau.

00:10:00: Wenn der SachverstĂ€ndige sagt diese Teile des Schadens können nicht vom RĂ€hstamm dann fehlt es an diesem Gesamtbild fĂŒr die SchlĂŒssigkeit, sagt das Gericht und ohne schlĂŒssiges Spurenbild kein Beweis eines Wildunfalls und damit auch keine Versicherungsleistungen.

00:10:13: Und dann gibt's offenbar noch ein zweites Argument im Urteil?

00:10:16: Ja exakt!

00:10:18: Dieses Argument ist eigentlich noch vernichtender.

00:10:20: Selbst wenn man unterstellt, dass irgendein Unfall passiert wÀre, verliert der KlÀger hier trotzdem und zwar wegen arglistiger Obligenheitspflichtverletzungen.

00:10:28: diesen sperrigen Begriff den kennst du sicherlich schon haben wir in der Vergangenheit auch schon mal in einer anderen Folge erklÀrt.

00:10:34: Ich erinnere mich ja aber fĂŒr unsere Zuhörer die das zum ersten Mal hören was es eine Obliegenheitsverletzung.

00:10:40: Ja, im Versicherungsrecht hat der Versicherungennehmer bestimmte Pflichten sogenannte Obliegenheiten.

00:10:45: Die stehen alle in dem Versicherungvertrag.

00:10:47: Wer es nachlesen möchte, der kann's machen!

00:10:49: Eine der wichtigsten ist nÀmlich die AufklÀrungsobliegenheit.

00:10:52: Du musst deiner Versicherung alles mitteilen was fĂŒr die Regulierung des Schadens relevant ist.

00:10:57: Du musst wahrheitsgemĂ€ĂŸ vollstĂ€ndig antworten und soll dir selbstverstĂ€ndlich sein Wenn du das nicht tust oder schlimmer wenn du sogar noch lĂŒgst, kann die Versicherung die Leistung kĂŒrzen oder komplett leistungsfrei werden.

00:11:07: Was hat der KlÀger in unserem Fall hier konkret falsch gemacht?

00:11:10: Ja, das kann man sich ja schon denken.

00:11:11: Er hat behauptet die Kratzer am Scheinwerfer sein durch das Reh entstanden.

00:11:15: Der SachverstÀndige sagt aber, dass es technisch völlig unmöglich ist.

00:11:18: Der Versicherungsnehmer hat dann behaupten, der Radarsensor sei durch den Unfall verloren gegangen und der SachverstÀndiger sagte aber ebenfalls technisch unmöglich.

00:11:25: Und der Kleger hatte nach Auffassung des Gerichts deshalb positive Kenntnis davon.

00:11:30: er wusste, dass beides nicht stimmt und hat's aber anders mitgeteilt.

00:11:33: Naja, das finde ich aber doch eine steile These.

00:11:35: Woher will das Gericht entwissen?

00:11:36: Dass der KlÀger das wusste!

00:11:38: Ja jetzt kommen wir einmal zum Kern.

00:11:40: Das Gericht argumentiert so Die Kratzer am Scheinwerfer sind so auffÀllig die hÀtte er selbst vor dem Unfall gesehen.

00:11:46: ja und beim Radarsensor?

00:11:48: Er sagt selbst Der Tempomat habe vor dem unfall noch funktioniert.

00:11:52: wenn das wahr ist muss der Sensor vorher da gewesen sein Und wenn er weg ist ohne BeschÀdigung des Kabels oder der Halterung dann war jemand mit den HÀnden dran.

00:12:00: Das kann nur er selbst gewesen sein weil sonst niemandem gab.

00:12:03: Also wusste ja alles.

00:12:05: Mhm, okay und aus rechtlicher Sicht folgt daraus Mass?

00:12:07: Das ist jetzt aber fĂŒr unsere Spezialisten die das ganz genau wissen möchten.

00:12:10: also Paragraf achtundzwanzig VVG Absatz zwei und drei Ist hier einschlÀgig.

00:12:16: VorsĂ€tzliche Obligenheitsverletzung fĂŒhrt zur Leistungsfreiheit des Versicherers und zwar unabhĂ€ngig davon ob der Verstoß ursĂ€chlich fĂŒr den Schaden war.

00:12:24: Moment!

00:12:24: Also selbst wenn das Reh tatsÀchlich da war Die Versicherung zahlt trotzdem nichts.

00:12:29: Genau, wenn die Arklist nachgewiesen ist, ist das richtig.

00:12:32: Wer arklistisch handelt, verliert den gesamten Versicherungsschutz fĂŒr den Schadenfall.

00:12:36: Das ist die hÀrteste Sanktion im

00:12:37: Versicherungsrecht.".

00:12:39: Und es gibt noch einen formalen Aspekt, den will ich nochmal kurz ĂŒberfliegen.

00:12:42: Den das Gericht sehr sorgfĂ€ltig prĂŒft die Belehrungspflicht nach § Wie es hier auch nachgewiesen wurde in Ihrem Schreiben.

00:13:03: Das war dieses Schreiben, dieser Fragebogen zum Unfall einen entsprechenden Hinweis im Fettdruck in einem eigenen Absatz eingebaut und das Gericht sagt ja, das genĂŒgt.

00:13:11: die Warnfunktion war erfĂŒllt immergebnis klar geworden von dem Landgericht abgewiesen.

00:13:16: Okay dann die grittlichen Frage was heißt das konkret fĂŒr den normalen Autofahrer draußen?

00:13:21: Ja, drei Dinge.

00:13:22: Erstens beim Wildunfall.

00:13:23: Sofort die Polizei rufen und darauf bestehen, dass alles dokumentiert wird.

00:13:27: Wildhaare, Blut, Gewebespuren... Alles kann die Polizei eintĂŒten und mitnehmen zur Akte nehmen.

00:13:33: Da muss man sich selbst nicht um die Einlagerungen kĂŒmmern und um den Erhalt der Beweismittel so.

00:13:38: Danach sofort Fotos machen und zwar sofort noch am Unfallort ja?

00:13:41: Nicht erst mal warten oder einen Kaffee trinken gehen oder sonst was sondern bitte sofort!

00:13:46: Auch

00:13:46: nachts ja und selbst wenn man mit den Nerven runter ist weil es gerade ein Unfall gegeben hat

00:13:50: Ja, gerade dann.

00:13:51: Also klar denken da vielleicht viele nicht daran aber es macht einfach sehr viel Sinn.

00:13:55: Handy raus Fotos dauert alles sechzig Sekunden und man kann spÀter tausende Euro sparen oder von der Versicherung einfordern.

00:14:01: Daran sollte es ehrlich gesagt mich scheitern.

00:14:04: Und als nÀchstes nur das angeben, was wirklich durch den Unfall entstanden ist.

00:14:08: Das wÀre der zweite Punkt.

00:14:09: Das klingt eigentlich selbstverstĂ€ndlich, es aber offensichtlich fĂŒr viele nicht ĂŒblich.

00:14:13: Wer versucht bei der Gelegenheit auch alte SchÀden mit abzurechnen, der riskiert nicht nur die Abweisung dieser Position, der riskiert den kompletten Verlust des Versicherungsschutzes.

00:14:22: Der Versuch, schlau zu sein kostet am Ende dann alles.

00:14:25: Und das ist ein wichtiger Punkt.

00:14:26: Stell dir vor, du hattest drei Wochen vor dem Wildunfall schon einen kleinen Parkrempler oder Àhnliches.

00:14:31: also was jetzt nicht so tragisch war und die Delle ist noch dran.

00:14:35: und jetzt kommt das Reh.

00:14:36: ja natĂŒrlich ist es verlocken zu denken Ach!

00:14:39: Das war doch auch das Rehe Die Delle kann gleich mitgemacht werden.

00:14:43: Ja, ist vielleicht verlocken da wie gesagt gefÀhrlich auch strafrechtlich relevant.

00:14:47: Es erfĂŒllt den Tatbestand des Betrugs.

00:14:49: deswegen bitte dran denken und der SachverstĂ€ndige der Versicherung, der es dann sozusagen die Detektive mit einem gut gefĂŒllten Werkzeugkasten Datemannvergleiche echter WildunfĂ€lle Schadenanalyse auslĂ€dendes Fahrzeug speichert das Fahrzeug erzĂ€hlt dann tatsĂ€chlich eine andere Geschichte.

00:15:04: Da muss man aufpassen

00:15:06: ja.

00:15:06: und der dritte Punkt

00:15:07: Dritte Punkt ist den Fragebogen der Versicherung vollstĂ€ndig und wahrheitsgemĂ€ĂŸ ausfĂŒllen.

00:15:11: Das ist keine Formalie, das ist wirklich eine Vertragspflicht mit echten rechtlichen Konsequenzen.

00:15:16: Gebt dem Versicherer.

00:15:17: daher bitte keiner AngriffsflÀche in dem ihr da irgendwas schön oder verheimlicht?

00:15:23: Okay also Polizei rufen Fotos machen ehrlich sein.

00:15:25: drei

00:15:26: MerksÀtze die viel Geld retten können

00:15:28: Ja, Unzeit und Nerven.

00:15:29: Das Verfahren vor dem Landgericht Hagen ĂŒber das wir gesprochen haben hat insgesamt drei Jahre gedauert habe ich gesehen und das war nur die erste Instanz am Ende.

00:15:36: null Euro fĂŒr den Kleger und sollte ja keinen Rechtschutz gehabt haben bleibt auch noch auf allen Kosten sitzen die hier enorm sein dĂŒrften

00:15:41: weil der Gutachter

00:15:43: des Gerichts wahrscheinlich einen Vermögen

00:15:44: gekostet hat.

00:15:45: Danke Igor!

00:15:46: Das war informativ und wenn euch diese Folge weitergeholfen hat dann abonniert gerne Law & Talk auf der Plattform Eurer Wahl ob Spotify YouTube oder wo auch immer ihr gerade zuhört.

00:15:54: ein Abonnement kostet nichts und hilft uns sehr Und wenn ihr eine Frage habt zu diesem Thema oder irgendeinem anderen rechtlichen Alltagsproblem, das in unserem Bereich fÀllt, schreibt uns in die Kommentarfunktion.

00:16:05: Und wer weiß?

00:16:05: Vielleicht wird eure Frage der Anlass fĂŒr eine nĂ€chste Folge!

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